Bergbaugebiet Zug

Stationen

Bild: Daniel Halde
Daniel Halde

Beschreibung

Unsere Wanderung beginnt auf dem Parkplatz im Einkaufszentrum am Häuersteig an der B101 am Stadtrand von Freiberg in Richtung Annaberg- Buchholz.

Bild: Drei Kreuze
Drei Kreuze

Wir gehen auf dem Fußgängerweg in Richtung Brand- Erbisdorf. Linker Hand sehen wir die Drei Kreuze. Hier sollen, der Legende nach, im Jahre 1296 drei Ratsherren der Stadt Freiberg hingerichtet worden sein, nachdem sie bei einer Belagerung der Stadt durch König Adolf von Nassau gefangen genommen wurden und später geflohen sind.

"Letzter 3er"

Es kann auch eine bergmännische Andachtsstätte gewesen sein (Kalvarienberg). Diese lag direkt am Häuersteig. Vorbei an der Gaststätte "Letzter Dreier" führt unser Weg durch Wiesen und Felder. Die hier zu sehenden Hügel und Bergbauhalden verraten den Verlauf der Erzgänge und Züge (z.B. Daniel Zug, Thurmhof Zug, Hoher Birker Zug).

Daher hat auch der Ort Zug seinen Namen (erstmals 1578 erwähnt). Zug gehört heute zu Freiberg. Die Landschaft ist geprägt von Gruben und Schächten, Huthäusern, Kauen und Bergschmieden, die auf den Bergbau zurück zu führen sind.

Bild: Huthaus "Phrophet Daniel"
Huthaus "Phrophet Daniel"
Bild: Huthaus mit Bergschmiede
Huthaus mit Bergschmiede "Tiefer Fürstenstollen in Emanuel"

Wir erreichen jetzt das ca. 1700 erbaute Huthaus "Prophet Daniel". Huthäuser sind Gebäude, in denen Material und Werkzeuge gelagert wurden. Außerdem versammelten sich hier die Bergleute vor und nach der Schicht. Die Fundgrube dazu lag nördlich des Weges und ist bereits 1514 bekannt geworden. Dahinter ist das umgebaute Huthaus der ehemaligen Grube "Junger Thurmhof" zu sehen.

Die heutige Wohnanlage von Zug ist der Standort des Stollnhauses. Hier überqueren wir die Straße und sehen rechts das Huthaus mit Bergschmiede "Tiefer Fürstenstolln in Emanuel". Dieses Gebäude wurde ca. 1700 erbaut und steht am Haupterzgang "Hoher Birker Zug".

Bild: Kunstgraben
"Hohe Birker Kunstgraben"

Am Autohaus halten wir uns rechts und erreichen die Gartenanlage "An der Hasenhalde". Wir bleiben rechts und gehen zwischen der "Krönerschacht- Halde" und den Halden der Erzwäschen entlang. Normalerweise bestehen die Halden aus taubem Gestein, aber die letztere Halden bestehen aus Sand, der beim Auswaschen der Erze anfiel. Die Erzwäschen erhielten ihr Wasser aus dem "Hoher Birker Kunstgraben". Der Kunstgraben (1589/90) ist Bestandteil eines Systems von Teichen, Kunstgräben (über Tage) und Röschen (unter Tage), welches bei Neuwernsdorf auf dem Kamm des Erzgebirges beginnt. Um das Wasser für die Gruben, Wäschen und Schmelzhütten heran zu führen wurden geringste Gefälle genutzt. Die Länge der Gräben und Röschen beträgt insgesamt ca. 70 km. Der Kunstgraben ist abgedeckt, um Verschmutzung und Schneeverwehungen vor zu beugen.

Unsere Wanderung setzen wir entlang dem Kunstgraben fort. Links sehen Sie das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1914-18. Dahinter ist die Zuger Kapelle zu sehen, erbaut 1936. Vor uns ist der Bertelsdorfer Teich, auch Hüttenteich genannt. Dieser Teich ist Teil des Speichersystems.

Wir überqueren den Kunstgraben über die Brücke und gehen nach rechts weiter. Hier, in ca. 600m Tiefe verläuft die Untertageverbindung des Brander mit dem Freiberger Grubenfeld, genannt Grubenquerschlag. Über diesen Grubenquerschlag wurden die im Brand- Erbisdorfer Revier abgebauten Erze zur Aufbereitung in den Freiberger "Davidschacht" transportiert. Die Strecke dazwischen (4400m) wurde 1962 als Querschlag aufgefahren. Schon im Januar 1965 wurden 350-400 Förderwagen (Hunte) täglich mit Erz durch E- Loks transportiert.

Bild: Constantinschacht mit Teich
Constantinschacht mit Teich

Nachdem wir ca. 500m hinter uns gebracht haben, kommen wir auf das Gelände des "Constantinschachtes" mit dem markanten Treibehaus. Der Schacht ist nach dem letzten sächsischen Berghauptmann Constantin von Beust benannt. Der Schacht wurde 1844 geteuft. Hier befand sich das Oberwerk des Kavernenkraftwerkes. Dafür wurden die vorhandenen unterirdischen Hohlräume ausgenutzt. Betrachten wir uns nun die Schautafel, die über das Wasserversorgungssystem Auskunft gibt. Dazu gehört auch der Constantinteich, der auch Ausgleichbecken für das Kavernenkraftwerk ist.

Weiter geht es von der Kreuzung aus, dem Wegweiser folgend zur Zugspitze. Linker Hand ist die Wäschhalde mit Mauerbefestigung, etwas weiter die ehemalige Lederfabrik Stecher, später das Lederwerk Zug. Haben wir das hinter uns gelassen, erreichen wir die Erzwäsche des Mendenschachtes, die Mordgrube (19. Jahrhundert). Zur Mordgrube übermittelt der Chronist Andreas Möller folgende Legende:

1350 sollen auf der Grube, die eine gute Ausbeute brachte, viele Bergleute beschäftigt gewesen sein. An Feiertagen wurden bei Zechenhäusern Zusammenkünfte mit Tänzen und Gelagen abgehalten. Während eines solchen Reihentanzes soll ein Priester mit einer Monstrans vorübergegangen sein. Das Glöcklein schlug, doch keiner der Anwesenden nahm es wahr. Nur der Fiedler ließ sich auf die Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Alsbald hätte sich die Erde aufgetan und die anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen. Der Fiedler habe auf einem Hügel bis zur Rettung ausgeharrt. Danach sei der Hügel verschwunden. Wahrscheinlich war der Ort bergmännisch unterfahren. Durch das heftige Springen und Tanzen ist ein Bruch entstanden. Gewiss ist, dass es einen großen Erdfall gab und viele Bergleute zu Tode kamen. Vielleicht ist es die älteste Nachricht eines großen Bingenbruches oder Bergschadens.

Gehen wir nun weiter zum Mendenschacht. Dieser wurde benannt nach dem Kunstmeister Johann Mende. Auf dem Weg dorthin sehn wir links einen Bahndamm. Dieser Bahndamm gehört zur ersten Eisenschienenbahn Sachsens. Chr. Friedrich Brendel ließ diese 1829/40 erbauen. Durch diese Bahn wurden die Pferdefuhrwerke abgelöst. Eine Verbindung des Mendenschachtes mit den Erzaufbereitungsanlagen war entstanden. Die Verbindung hatte eine Länge von 268m.

Bild: Bethaus
Zugspitze: Bethaus
Bild: Bergschmiede
Zugspitze: Bergschmiede
Bild: Huthaus
Zugspitze: Huthaus

Die höchste Erhebung der ehemals eigenständigen Gemeinde Zug ist die Halde des Mendenschachtes, die Zugspitze, welche wir jetzt erreichen wollen. Die Zugspitze und das Gelände darum gehört zu den bedeutendsten bergbaulichen Denkmalkomplexen im Freiberger Land. Dazu gehören auch: das Huthaus von 1822, das Bethaus mit Dachreiter von 1853, die Bergschmiede von 1856, und das Förderhaus (1906 - 1997 Gaststätte "Zur Zugspitze"). Das Förderhaus gehört zum Mendenschacht. Der Mendenschacht war der Hauptschacht der "Mordgrube" und wurde Anfang des 18. Jahrhunderts geteuft. Die "Mordgrube" zählte um 1800 zu den armen und mit Wasserproblemen kämpfenden Gruben. Das wasser reichte nicht aus, um das Kunstgezeuge (Gestänge mit Pumpen) zum Entwässern der Gruben anzutreiben. So soff die Grube 1804 ab. Christian Friedrich Brendel baute 1820-24 die Mordgrübner Wassersäulenmaschine, die in 140m Tiefe eingesetzt wurde. Sie war über Jahrzehnte Lehrbeispiel an der Bergakademie Freiberg und an anderen Hochschulen. Dank dieser Lösung war die "Mordgrube" 1831 bereits eine der reichsten Gruben.

Bild: Zugspitze
Bild links: ehem. Gastätte "Zur Zugspitze" Bild rechts: Gelobt Land
Bild: Huthaus "Jung Himmlich Heer"
Huthaus "Jung Himmlich Heer"

Zurück gehen wir besser durch die Parkanlage der "Zugspitze" mit dem Treppenabgang, so erreichen wir auch die Straße zum Constantinschacht. (Sie können aber auch den gleichen Weg zurück gehen). Um auf den Rad- und Wanderweg nach Freiberg zu kommen, gehen wir links an der Gaststätte "Zum Konstantin" vorbei und überqueren nach ca. 100m die Straße Zug / Brand- Erbisdorf. An diesem Punkt liegt vor uns das ehemalige, umgebaute Huthaus "Jung Himmlisch Heer". Etwas weiter weg sehen wir die Halde der Schachtanlage "Beschert Glück". Links ist das Industriegebiet von Brand- Erbisdorf und rechts eine große brachliegende Fläche. Auf dieser Fläche sind kleine mit Bäumen bewachsene Halden zu sehen. Besonders reizvoll anzusehen im Herbst, wenn die Blätter der Bäume bunt gefärbt sind.

Bild: Schachtanlage "Beschert Glück"
Schachtanlage "Beschert Glück", Huthaus
vor Sanierung
Bild: Schachtanlage "Beschert Glück"
Schachtanlage "Beschert Glück", Huthaus
nach Sanierung

Wir sind immer noch auf dem Radweg, verlassen diesen aber, bevor er nach rechts abbiegt und gehen geradeaus auf das Mundloch einer Rösche zu. Rechter Hand ist eine Bruchsteinbrücke, sie führt uns zur Schachtanlage "Beschert Glück". Die seit 1697 bekannte Anlage hatte ihre Blütezeit Ende des 18. Anfang des 19. Jahrhunderts. Eines der imposantesten Huthäuser im Freiberger Land wurde 1786 erbaut und trägt heute noch das Bergglöckchen von 1815 im Dachreiter. Zur damaligen Zeit fuhren hier etwa 900 Bergleute ein. Weil die Schachtanlage so groß und Gut ausgerüstet war, wurde sie von mehreren bekannten Persönlichkeiten besucht. Zu ihnen zählten Johann Wolfgang von Goethe (1810), der österreichische Erzherzog Prinz Leopold(1819), der sächsische König Friedrich August I.(1819) und Alexander von Humboldt (1826). Einige dieser Besucher haben ihre Inschriften hinterlassen. Sie sind am rechter Hand gelegenen Scheidebankgebäudes zu sehen. (Hier wurde das Erz von taubem Gestein getrennt. Der 405 m tiefe Röschenschacht ist im westlichen Teil des Huthauses zu sehen. Der ganz in der Nähe liegende Prinz Leopold- Schacht hatte bis 1899 den letzten Pferdegöpel im Freiberger Revier.

Unser Weg führt uns nun weiter parallel zur B101. Wir befinden uns wieder auf geschichtsträchtigem Boden. Hier wurde am 29. Oktober 1762 die letzte Schlacht im 7- jährigen Krieg ausgetragen, wobei die Preußen 1400 und die verbündeten Truppen von Österreich, Frankreich und Russland etwa 7000 Mann, davon 4300 Gefangene, verloren.

Bild: Halde "Drei-Brüder-Schacht"
Halde "Drei-Brüder-Schacht"
Bild: "Drei-Brüder-Schacht"
"Drei-Brüder-Schacht"
Bild: "Drei-Brüder-Schacht"
"Drei-Brüder-Schacht"

Nun können wir auch wieder den Radweg, der um die Halde herumführt, benutzen. An der Gabelung gehen wir den schmaleren Weg und erreiche die Halde "Drei- Brüder- Schacht". Der Dreibrüderschacht ist Hauptschacht der "Segen Gottes Herzog August Fundgrube" und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts geteuft. Er ist 390 m tief. Bekannt wurde der Schacht durch die Fallversuche vom Professor für Physik an der Bergakademie, Ferdinand Reich. Seine Versuche dienten im Jahr 1831 zum Nachweis der Achsrotation der Erde. Am 24.12.1914 wurde hier das erste Kavernenkraftwerk der Welt eingeweiht. Über eine Druckleitung schoss das Wasser vom Oberwerk (Constantinschacht) 124 m in die Tiefe und trieb so 2 Turbinen an. Das Wasser floss im 135 m tiefen Moritzstolln dem Dreibrüderschacht zu. Hier stürzte es 272 m in die Tiefe und trieb 4 Turbinen an. Diese Turbinen hatten eine Gesamtleistung von 6MW, damit könnte man heute etwa 100 Haushalte versorgen. Die Anlage war eine technische Meisterleistung der damaligen Bergleute und Ingenieure. Das verbrauchte Aufschlagwasser floss über den Rothschönbergstolln (Hauptstolln zur Wasserabführung im Freiberger Revier, 51 km lang) in die Triebisch bei Meißen. Die Generatoren erzeugten noch bis 1972 Strom. Diese in unserem Raum einmalige Tradition wird von einem Förderverein bewahrt und ist außerdem bemüht die Stromerzeugung wieder au zu nehmen.

Bild: Huthaus "Herzog August"
Huthaus "Herzog August"

Weiter geht es zum Huthaus "Herzog August", 1810 erbaut. Seit 1613 ist die Grube bekannt. Das Huthaus "Kurfürst Johann Georg Stolln" liegt schräg gegenüber. Nach einer kurzen Wegstrecke erreichen wir die Gaststätte "Letzter Dreier" und sind somit wieder an unserem Ausgangspunkt angelangt.