Halsbrücker Bergbaurevier

Stationen

Bild: Freiberger Mulde
Freiberger Mulde

Beschreibung

Bild: Altväterbrücke
Altväterbrücke

Unsere Wanderung von ca. 2,5 - 3,5 Stunden beginnt am Feuerwehrgebäude von Halsbrücke. Das Gelände war von 1861 bis 1968 der Beihilfe- Schacht. Von hier aus gehen wir die Pappelallee (Erzstraße) links zur alten Meißner Straße, dann wieder rechts bis zur Altväterbrücke. Die Brücke stammt aus dem 16. Jh. Und führt über die Freiberger Mulde. Sie wurde von 1680 - 1795 als Kunstgrabenaquädukt genutzt. Das Münzbachwasser floss als Aufschlagwasser zur Grube "St. Anna samt Altväter". 12 Gewölbebogen waren auf maximal 24 m Höhe gemauert. Die Länge betrug 188 m. 1893 wurde das Aquädukt abgetragen.

Bild: Schleusenkammer
Schleusenkammer

Wir steigen die Steintreppe am anderen Ende der Brücke hinunter und gehen flussabwärts den gemauerten Bergwerkskanal entlang, bis zur Schleusenkammer am Kanalwehr der Freiberger Mulde. Der Kanalabschnitt gehört zum Schifffahrtskanal, der von Hohentanne über Großschirma zum Rothenfurther Kahnhebehaus führt. Der Kanal ist 8 km lang. Bis zum Kahnhaus wurden die Erzkähne gestakt oder getreidelt. Im Bereich der Wehranlage mussten die Kähne den Fluss überqueren, um nach 600 m das Kahnhebehaus zu erreichen.

Wir kehren zurück zur Altväterbrücke, überqueren diese und gehen bis zur Orientierungstafel. Von hier aus folgen wir dem Waldpfad bis zu dem alten gemauerten Kunstgraben. Wir gehen nach links. Seit 1610 entnahm man 1,5 km oberhalb der Mündung des Münzbachs Aufschlagwasser, das hier, 14 m über der Mulde floss. Dieses Wasser wurde von 1680 - 1795 über die Altväterbrücke geleitet.

Bild: Rothenfurther Kahnhebehaus
Rothenfurther Kahnhebehaus
Bild: Das 7. Lichtloch
7. Lichtloch

An der Weggabelung wenden wir uns nach links und erreichen das Tal der Freiberger Mulde an der schmalen Isaak- Brücke, neben der die Ruine des Kahnhebehauses befindet. Das Kahnhebehaus gilt als das älteste Schiffshebewerk der Welt. Es wurde vom Freiberger Kunstmeister Mende geschaffen. Die Erzkähne kamen über den Bergwerkskanal und mussten hier 7 m Höhe überwinden, um zur Halsbrücker Hütte weiterfahren zu können. Weiter geht es Fluss aufwärts einen Wiesenpfad und dann halbrechts eine Böschung hinauf. Es ist die Böschung einer großen Schwemmsandhalde (Rückstände der Erzaufbereitung aus dem 20. Jh.). Hier besichtigen wir die Tagesanlagen des 7. Lichtlochs.

Bild: Huthaus und Bergschmiede
Huthaus und Bergschmiede
Bild: Hohe Esse
Hohe Esse

Das 7. Lichtloch - Schacht für die Herstellung des Rothschönberger Stollns - ist 123 m tief. Darüber steht das hölzerne Treibehaus aus dem Jahre 1850. Daneben befand sich eine Kaue für das Kunstrad, welches das Kunstgezeuge antrieb. Die Mundlöcher der zugehörigen Wassertunnel (Röschen) sind freigelegt. Der Fachwerkbau aus dem Jahr 1844 diente als Huthaus und Bergschmiede. Das Sprengpulver für den Stollenvortrieb wurde im Pulverturm (1844) gelagert. Auf dem gegenüberliegenden Muldenufer ist ein Gneisfelsen mit Gangausbiss (Isaak Spat) und Stollnmundloch im Erzgang zu sehen.

Unser Weg führt uns nun durch ein Wohngebiet bis zur Straße der Jugend 28, dann über einen Gartenweg hinab zum Bergmannsweg, weiter nach rechts, über eine Fußgängerbrücke zum rechten Muldenufer. Wir überqueren die August- Bebel- Straße, gehen einen Feldweg entlang, hinauf zur Straße "Am Sandberg". Nach links geht es zur Hohen Esse, und nach rechts und gleich wieder links zum 8. Lichtloch.

Die Hohe Esse ist seit 1889 das Wahrzeichen von Halsbrücke. Die Esse ist 140 m hoch hat einen Durchmesser von 8 bis 3 m. Sie galt als der höchste Ziegelbau Europas. Die Rekordhöhe war auch Ausdruck für bedeutende Umweltschäden durch Rauchgase aus dem Schmelzhüttenbetrieb.

Bild: 8. Lichloch
8.Lichtloch

Das 8. Lichtloch wurde von 1865 - 1877 betrieben, und wird heute noch für Kontrollbefahrungen des 139 m tiefen und 50 km langen Rothschönberger Stollns genutzt. Dieser Stollenschacht diente der Förderung des Vortreibgesteins (Gneis), das auf der noch vorhandenen Halde deponiert wurde. Das zufließende Grundwasser wurde mittels Kunstzeug (Turbinen- und Dampfmaschinenbetrieb) hochgepumpt. Da durch den Bau des Stollens die Dorfbrunnen ab 1864 versiegten, musste Trinkwasser mit Hilfe einer Wassersäulenmaschine von unter Tage aus dem 8. Lichtloch hochgepumpt werden. Diese Maschine kann man heute am Schacht "Alte Elisabeth" besichtigen.

Bild: Fachwerkhaus
Fachwerkhaus
Bild: Schlackenhalde und alter Schornstein
Schlackenhalde und alter Schornstein, Hütte Halsbrücke

Wir wenden uns nun der Erläuterungstafel am 8. Lichtloch zu, und gehen von da aus eine Treppe hinunter zur schmalen Straße "Muldental". Links sehen wir ein einzelnes Fachwerkhaus, in dessen Hof man das Mundloch des Freudenstein Erbstollns, welches in die Felsböschung gehauen wurde. Es trägt die Jahresangabe 1796. Von hier sieht man den Rauchgaskanal der Hohen Esse mit einer Länge von 250 m. Die große Schlackenhalde erinnert an die Halsbrücker Hütte, die von hier aus gut zu sehen ist.

1989 wurden die meisten Gebäude des Hüttengeländes abgetragen. An das von 1787 bis 1857 betriebene international und viel beachtete Amalgamierwerk erinnern eine Gedenktafel, eine Bogenbrücke und Mauerreste. Das Erz wurde hier nicht geschmolzen, sondern unter Verwendung von Quecksilber, Kochsalz, Eisen und Wasser chemisch behandelt und so das Silber gewonnen. Am Freiberger Schacht "Alte Elisabeth" ist ein von 1831 neogotisches Hüttengebläse (als "Schwarzenberggebläse"), zur Erinnerung an die Halsbrücker Schmelzhütte, aufgestellt.

Wir überqueren jetzt die Muldentalbrücke, gehen die August- Bebel- Straße entlang, und biegen an der Straße "Am Schulberg" rechts ein. Beim Eisenbahnviadukt gehen wir weiter geradeaus bis zur Geschwister- Scholl- Straße und zum Ausgangspunkt zurück. Damit ist die kleine Runde beendet. Wer noch gut zu fuß ist und neugierig ist, folgt links dem Bergmannsweg, dann dem rot markierten Wanderweg bis zur kleinen Heubrücke, die über den Roten Graben führt. Auf dem Freiberger Weg kommt man bis zur Grube "Ober neu Geschrei", deren Hoffnungsschacht durch das hölzerne Schachthaus auf einer Halde zu erkennen ist. Auch hier lohnt sich ein Rundgang. Der Rote Graben ist ein Kunstgraben von 1613, der dafür sorgte, dass die untertägigen Kraftmaschinen mit Aufschlagwasser versorgt wurden. Dazu gehören die Gruben "Beihilfe", "Ober Neu Geschrei" und die Erzwäsche (1840) am Ende des Kunstgrabens. Ein Wasserteiler liegt am Wanderweg. Ein Funktionsmodell vom Hoffnungsschacht und den untertägigen Wasserkraftmaschinen kann man in der Modellsammlung der TU Bergakademie Freiberg besichtigen.

Um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen, gehen sie von der Erläuterungstafel an der Halde der Grube "Ober Neu Geschrei" am Zaun einer Gartenanlage entlang und passieren die angrenzende Bergmannssiedlung.