Michail Wassiljewitsch Lomonossow

Bild: Lomonossow
Michail Wassiljewitsch Lomonossow

Lomonossow entstammte einer Fischerfamilie im hohen Norden Russlands und lernte als Junge Navigation, Wetterkunde etc., erwarb aber auch Grundkenntnisse in russischer Grammatik. Seine Wissensgier war so stark, dass er als Jugendlicher die Familie verließ und 1000 km zu Fuß nach Moskau ging, um dort ein Studium zu beginnen. Vier Jahre später wurde er zusammen mit einigen Kommilitonen an die Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg gesandt. Er setzte 1736 sein Studium in Deutschland an der Universität in Marburg (insbesondere bei Christian Wolff) in den Fächern Philosophie, Mathematik, Chemie und Physik und in Freiberg (Sachsen) in Bergbau und Hüttenwesen fort. In Freiberg beschäftigte er sich auch intensiv mit Literatur. 1740 kehrte er nach Marburg zurück, wo er die Tochter seiner Vermieterin heiratete.

1741 tauchte er wieder in St. Petersburg auf, um an seiner Doktorarbeit zu schreiben. Zwei Jahre später folgte ihm seine Frau Elisabeth-Christina mit dem gemeinsamen Kind nach. Ab 1745 lehrte er als Professor Chemie in einem von ihm eingerichteten Unterrichts- und Forschungslabor, war aber auch als Dichter sehr produktiv. 1750 forderte die Zarin Elisabeth ihn zusammen mit dem Dichter Trediakowski auf, Schauspiele für das neue Nationaltheater zu verfassen - was er auch mit Erfolg tat. 1754/55 wirkte er mit der tatkräftigen Unterstützung des Favoriten der Zarin, I. I. Schuwalow, an der Gründung der Moskauer Staatsuniversität mit (die seinen Namen trägt). 1760 wurde er Direktor der Universität der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften. Im Alter von nur 54 Jahren verstarb er in Sankt Petersburg.

Weil er als Universalgelehrter gilt und in Russland viele Anfänge wissenschaftlicher Arbeit auf vielen Gebieten mit seinem Namen verbunden sind, wird Lomonossow als Begründer der russischen Wissenschaft bezeichnet. Wissenschaft in Russland war seinerzeit eine Domäne ausländischer Experten, vor allem von Deutschen und Franzosen. Alexander Puschkin sagte mit Recht von ihm, er habe nicht nur die erste Universität (in Russland) geschaffen, sondern Lomonossow selbst sei eine ganze Universität gewesen.

Lomonossow gilt als Mitbegründer der Metallurgie, Geologie und Meteorologie, Geografie und Kartografie sowie der Geschichts-wissenschaft in Russland. Außerdem kümmerte er sich um die Wiederbelebung der russischen Mosaikkunst. Noch während seiner Studienzeit in Freiberg entwickelte Lomonossow - ausgehend von den Ideen des russischen Dichters Trediakowski - ein neues Metrum für seine Dichtungen. Er propagierte Russisch als Unterrichtssprache, verfasste 1757 eine Grammatik, mit der die russische Schriftsprache grundlegend reformiert wurde. Diese Grammatik stellt eine Kombination von altkirchlichem Slawisch mit der damaligen russischen Umgangssprache dar. 1760 veröffentlichte er die erste Geschichte Russlands.

Im Sinne der Vorstellungen von Zar Peter wirkend war Lomonossow zweifellos der bedeutendste Erneuerer des Bildungswesens im zaristischen Russland; gleichzeitig war er der erste russische Wissenschaftler von Weltrang. Auf ihn geht auch die Gründung einer Mosaik- und Buntglasfabrik im jetzigen Lomonossow (ehemals Oranienbaum) bei Sankt Petersburg zurück. Die Moskauer Universität trägt heute seinen Namen. Ein unterseeischer Bergzug in der Arktischen See ist ebenso wie ein Meeresstrom nach ihm benannt. Seit 1959 wird jährlich von der Russischen Akademie der Wissenschaften an einen russischen und einen ausländischen Wissenschafter die Lomonossow-Goldmedaille für außergewöhnliche Leistungen in der Wissenschaft verliehen.