Reformationsgeschichte

- Pfarrgasse 18
Freiberger Reformationsgeschichte ist am Haus Pfarrgasse Nr 18 zu sehen. Während sich im ernestinischen Sachsen bis 1525 die lutherische Kirche entwickelt hatte, hielt der albertinische Herzog Georg in Dresden bis zu seinem Tod 1539 am katholischen Glauben fest. Sein Bruder Heinrich der Fromme, der 1539 Georgs Nachfolger wurde und sogleich im ganzen Herzogtum die Reformation einführte, hatte aber in den ihm 1505 zugewiesenen Ämtern Wolkenstein und Freiberg bereits 1537 die Reformation eingeführt. Doch gab es schon vorher hier Evangelische, die sich zu dem neuen Glauben - trotz der Gefahr von Repressalien durch Herzog Georg - mit dem Losungswort “Gottes Wort bleibt ewig” bekannten. Vor 1537, unter Herzog Georg, gehörte dazu also persönlicher Mut. Solche hatte der damalige Hausherr von Pfarrgasse 18, der 1528 eine Schrifttafel mit dem Spruch “GOTTES WORT BLEIBET EWIK” anbringen ließ. Diese ist heute über der Haustür des 1862 umgebauten Hauses zu lesen.
Kirchen
Die schönste Zierde der Stadt Freiberg sind ihre Kirchen. Der Bauart nach sind die vorzüglichsten der Dom, die Petri und Nikolai-dagegen soll die Nonnenkirche die schlechteste von Ansehen, die reichste sein.
Der Dom, wobei sich auch das Gymnasium befindet, ist ein sehr ansehnliches Gebäude von sehr großem Umfang. Er ist im Jahre 480. bis 1507. erbaut worden. Die Länge der Kirche beträgt 128. Ellen, die Breite 40 und beschließt ein Gewölbe von 38 Ellen Höhe. Hieran stößt das ehemalige kurfürstliche Begräbnis, worin 31 Fürstliche Personen begraben liegen. Hier zeichnet sich besonders das fürtrefliche Grabmahl des Herzogs Moritz aus, so wie das ganze Mausoleum mit vorzüglichen Werken der Bildhauerkunst prangt.
Die Petrikirche ist ebenfalls ein Gebäude, das man nur in den größten Städten suchen würde. Sie ist neu repariert, ist aber die älteste Kirche dieser Stadt. Eine elende buntscheckigte Schmiererei von einem Altarblatte ist das einzige, was diese Kirche schändet.
Kommt man in die Nikolaikirche, so wird man auf eine höchst angenehme Art überrascht. Diese Kirche ist ganz modern, mit dem herrlichsten Geschmacke erbaut. Sie ist eine von den wenigen protestantischen Kirchen in Deutschland, die mir gefallen haben. Nur die Kanzel sollte eine andere Stelle einnehmen. Ein herrliches Altarblatt von Dietrich ziert ebenfalls diese Kirche. Wäre Freiberg eine heidnische Stadt, so würde ich glauben, diese Kirche wäre dem Gott des guten Geschmackes zu Ehren erbaut worden, so wie die Nonnenkirche dem bösen Geist des Geizes. Diese soll die reichste Kirche sein, und doch hat sie so ein altes lumpigtes Gewand, als ein alter Geizhals, der von seinen vielen Kapitalien sich kein neues Kleid zu schaffen getraut. Bei einer solchen Verfassung der Stadt, wie die gegenwärtige von Freiberg ist, sollte man billig eher Geld in Umlauf bringen, als auf eine unnütze Art aufzuhäufen suchen. Wozu sollen die unnötigen großen Kirchenkapitalien? Sie sind eben so sehr Ursache von der Krankheit eines Staates, als der Reichtum der Klöster den katholischen Ländern - und Sachsen liegt in dieser Krankheit unter allen potestantischen Ländern besonders gefährlich darnieder. Welche großen Summen stecken nicht in den Stiftern, welche der Kurfürst nicht erheben darf, so lange er kein Protestant ist. Sachsen straft sich durch diesen Eigentum selbst. Der Geldes Umlauf gerät ins Stocken, und dieses ist für ein Land eben so gefährlich, als die Stockung des Blutes in einem tierischen Körper. Wenn ich Sachsens Leibarzt wäre, so verordnete ich an allen solchenTeilen eine Uberlasse, und im Kleinen hier eine bei der Nonnenkirche.Außer diesen vorbenannten ist hier noch die Spitalkirche, welche ebenfalls von sehr geringer Bedeutung ist.