Geschichte Freibergs im 18. Jahrhundert

um 1700
Das bekannte Freiberger Töpferhandwerk sinkt zur Bedeutungslosigkeit herab.
1702
Auf Anregung A. v. Schönbergs werden durch ein kurfürstliches Reskript staatliche Gelder für die Ausbildung von Beamten für das sächsische Montanwesen bereitgestellt. Nach Vermittlung neuester Kenntnisse, insbesondere auf den Gebieten Metallurgie, Probierkunde, Chemie und Markscheidewesen tragen die Stipendiaten als Beamte große Verantwortung für das Montanwesen.
1706
6 Freiberger Berg- und Hüttenleute werden auf die Albrechtsburg in Meißen beordert, wo sie unter fachlicher Leitung von Bergrat Gottfried Papst von Ohain bis 1710 mit ihren Erfahrungen und technischem Sachverstand wesentlich zur Erfindung des europäischen Hartporzellans durch J- F. Böttger beitragen.
1710
Gründung der Generalschmelzadministration zur Verwaltung des nahezu vollständig verstaatlichten Hüttenwesens.
Festnahme des Räubers Lips Tulian durch die Freiberger Stadtwache.
1711
Der russische Zar Peter I. besucht Freiberg. Zu Ehren des hohen Gastes findet eine Bergparade statt.
1712
Der Orgelbaumeister Gottfried Silbermann siedelt nach Freiberg über und eröffnet eine Werkstatt in der ehemaligen Reiterwache am Schloßplatz. Mit dem Bau der Orgel im Freiberger Dom erlangt er den Ruf eines ausgezeichneten Fachmannes, außerdem liefert er Orgeln für die Petri-, die Nikolai-, die Jacobi- und die Johanniskirche.
1714
Weihe der von Silbermann erbauten großen Orgel im Dom, Baubeginn war 1711.
1730
Johann Gottlieb Ohndorff wird Meister des Zimmererhandwerks, 1730/33 erneuert und erhöht er gemeinsam mit Ch. Haupt den nördlichen Kirchturm der Petrikirche.
1733
Der Arzt Johann Friedrich Henckel, ein Fachmann für Chemie und Mineralogie, erhält vom Oberbergamt den Auftrag zur Einrichtung eines Laboratoriums. Der zum Bergrat ernannte Henckel bildet Nachwuchs praxisnah aus. Zu seinen Schülern zählen C. E. Papst von Ohain, F. W. von Oppel, M. W. Lomonossow und D. I. Winogradow.
1734
Curt Alexander von Schönberg wird als letzter seines Geschlechts Oberberghauptmann.
1740/43
Die schwer beschädigten Drei Kreuze werden durch den Zimmermeister Johann Gottlieb Ohndorff instandgesetzt. (Höhe des eichenen Christuskreuzes: 4,60 m; Höhe der Schächerkreuze 4,25 m).
1744
Johann Friedrich Doles, ein Bachschüler, wird neuer Domkantor. Zeitweise kommt es zu Streitigkeiten mit dem Superintendenten Wilisch. 1756 wird Doles nach Leipzig berufen.
1747
Der Buchhändler Reinhold gibt die erste Zeitung Freibergs, die "Freybergischen Merkwürdigkeiten", heraus. Nach drei Jahrgängen muß die Herausgabe wieder eingestellt werden.
1754
Fertigstellung des 1750 begonnenen Barockumbaus der stark baufälligen Nikolaikirche durch J. G. Ohndorff nach Plänen J. Ch. Knöffels.
1756/62
Notzustände durch den 7-jährigen Krieg (1756-1762). In der Nähe von Freiberg findet 1762 die letzte Schlacht des Krieges statt, in welcher die österreichischen Truppen eine empfindliche Niederlage hinnehmen müssen.
1763
Der Kurfürst beruft Friedrich Anton von Heynitz zum Generalbergkommissar und damit zum Leiter des sächsischen Berg- und Forstwesens. Er ordnet die Bergbehörden neu, fördert begabte Bergbeamte, verbessert die Berggerichtsbarkeit und nimmt sich der Entwicklung der Bergtechnik an. Da er seine Vorstellungen über die Modernisierung des Montanwesens nur teilweise durchsetzen kann und Anfeindungen ausgesetzt ist, scheidet er 1774 aus dem sächsischen Staatsdienst aus und leidet an 1777 mit großen Erfolg das gesamte preußische Berg- und Hüttenwesen.
1765
Auf Vorschlag von Generalbergkommisar von Heynitz und Oberberghauptmann von Oppel verfügt der Kurfürst die Stiftung der Bergakademie. Die Hauptaufgabe dieser ersten montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt besteht darin, technisch, naturwissenschaftlich und ökonomisch gut ausgebildete Beamte der höheren Laufbahn für das sächsische Montanwesen heranzubilden. Die Absolventen sind später entscheidende Garanten für das Funktionieren und die Weiterentwicklung von Bergbau und Hüttenwesen.
1768
Das Oberbergamt entwirft eine neue Arbeits- und Paradebekleidung für Berg- und Hüttenleute sowie für Beamten.
1769
Einführung einer neuen Paradetracht für die Bergleute.
1770
Johann Friedrich Mende, Absolvent der Bergakademie, wird Kunstmeister des Freiberger Reviers. Auf sein Wirken gehen verbesserte Pferde- und Wassergöpel, Schleusen und die erste Wassersäulenmaschine Sachsens zurück.
1774
Abraham Gottlob Werner folgt einer Berufung an die Bergakademie. Bis zu seinem Tode 1817 erwirbt er sich größte Verdienste um die Ausbildung der Studenten. Dank Werner erlangt die Hochschule schnell internationale Ausstrahlung.
1779
Einrichtung einer Freiberger Bergschule, die aufgrund ihres hohen Leistungsniveau 1807 die Bezeichnung "Hauptbergschule" erhält.
1783
Gründung der Buchhandlung von Craz (seit 1802 Craz und Gerlach).
1786
Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt von Heinrich Keller in Freiberg verfaßt er einen 79 Seiten umfassenden Stadtführer, das "Tableau von Freiberg".
1790
Die schlechte Lebenslage führt im Jahr des Sächsischen Bauernaufstandes zu Unruhen der Freiberger Bergleute. Durch sächsisches Militär und die Bürgergrenadierkompanie werden die Unruhen beendet. Einrichtung eines stationären Theaters im Gebäude des Pulvermühlenbesitzers Engler am Buttermarkt, es zählt zu den ersten städtischen Theatern Deutschlands. Leopold von Buch beginnt sein Studium an der Bergakademie, dieser leistet später eine beispielhafte Arbeit auf dem Gebiet der Geologie.
1791
Alexander von Humboldt beginnt sein achtmonatiges Studium an der Bergakademie, er wohnt bei Akademieprofessor J. F. Freiesleben (heute Weingasse 2). Neben dem intensiven Studium der Montanwissenschaften betreibt er naturwissenschaftliche Studien und verfaßte mehrere wissenschaftliche Aufsätze.
1794/1805
Das ungenutzte Schloß Freudenstein wird nach erheblichen baulichen Veränderungen als Getreidemagazin genutzt. Bereits seit 1785 besteht hier ein Bergmagazin zur Versorgung der Bergleute mit Getreide zu konstanten Preisen.
1796
Einrichtung eines Bergstiftes für kranke und pflegebedürftige Berg- und Hüttenleute vor dem Peterstor.