Postmeilensäulen
Der Land- und Grenzkommissar Adam Friedrich Zürner erhielt 1713 den Auftrag, die Landvermessung durchzuführen und davon Karten anzufertigen. Er konstruierte einen "geometrischen Wagen". An der Postkutsche war ein Rad befestigt, welches während der Fahrt die Umdrehungen genau zählte. Aus den Umdrehungen war es möglich, auf die gefahrene bzw. vermessene Wegstrecke zu schließen. Am 19. September 1721 verfügte sächsische Kurfürst und König zu Polen August der Starke in einem Mandat, dass an jedem Stadttor eine hohe steinerne Distanzsäule aufgestellt werden muss. Neben den Distanzsäulen waren noch Ganz-, Halb- und Viertelmeilensäulen an den Poststraßen vorgesehen. Die Kosten für den Bau einer Säule mussten "die Untertanen, auf deren Grund und Boden sie zu stehen kommen" übernehmen. Bei den Distanzsäulen an den Stadttoren war es die Stadt. Die Herstellungs- und Aufstellungskosten betrugen etwa 45 - 75 Taler (1 Taler war 32 Groschen; ein Tagelöhner verdiente im Monat 20 - 30 Groschen). Das sächsische System zeichnete sich gegenüber anderen Ländern durch die landesweite Umsetzung (es existieren heute noch etwa 60 Distanzsäulen und 200 Meilensäulen), durch hohe Präzision der Entfernungen und durch die Säulengestaltung aus.
Freiberg hatte um 1720 insgesamt fünf Stadttore. Auf Grund des kurfürstlichen Mandats musste die Stadt fünf Distanzsäulen anfertigen. Nur wenige Städte hatten damals so viele Tore. Von den fünf ehemaligen Säulen existieren heute noch drei Stück: vor dem Peterstor (heute am Bebelplatz), vor dem Meißener Tor (heute Meißener Gasse) und vor dem Erbischen Tor (heute obere Hornstraße). Von den fünf Toren existiert leider nur noch eins, das Donatstor. Die beiden Säulen vom Donatstor und Kreuztor sind leider in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts im Zuge der "Modernisierung" Freibergs vernichtet worden. Damit besitzt Freiberg als einzige Stadt Sachsens 3 original kursächsische Postmeilensäulen.
Der wichtigste Teil der Postsäule ist der Schriftblock. Das Posthorn zeigte die staatliche Posthoheit an. Durch ein Schreiben aus dem Jahr 1909 vom Königlichen Sächsischen Ministerium des Inneren wurde auf den schlechten baulichen Zustand der zwei Säulen hingewiesen. (Die Säule vom Meißener Tor war an den Rittergutsbesitzer von Schönberg nach Reinsberg verkauft wurden). Nässe und Frost hatten den oberen Teil zerstört. Der Stadtrat wurde aufgefordert die Schäden zu beseitigen und die Inschriften wieder ordentlich herzurichten. Auf Vorschlag der Stadt wurden dann 1910 die Inschriften und das Posthorn mit Blattgold ausgelegt. Der andere Teil wurde bemalt. Die Vergoldung der Freiberger Inschriften war in ganz Sachsen einmalig. Damit stellen die Freiberger Postsäulen ein weiteres Schmuckstück dar.